Dienstag, 7. März 2017

Update zu Blue Origins Trägerrakete New Glenn

Amazon-Chef Jeff Bezos hat auf der Fachkonferenz Satellite 2017 in Washington den ersten Kunden für die neue Rakete seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin präsentiert: den französischen Satellitenbetreiber Eutelsat.

Außerdem wurde bekannt, dass Blue Origin das erste BE-4-Triebwerk fertig gestellt hat, das einmal New Glenn ins All befördern soll. Zwei weitere Examplare sind demnach im Bau. Blue Origin arbeitet bereits seit 2011 an dem methangetriebenen Raketenmotor. Auch die neue Vulcan-Rakete von ULA wird voraussichtlich dieses Triebwerk nutzen.

Das erste fertig montierte BE-4-Triebwerk (Bild: Blue Origin)

Die erste Stufe von New Glenn soll wiederverwendbar sein und ähnlich der Hauptstufe der Falcon 9 von SpaceX vertikal auf einer schwimmenden Plattform vor der Küste landen. Die Parallelen zum SpaceX-System sind in dieser ebenfalls neu vorgestellten Computeranimation jedenfalls nicht zu übersehen.


Die New Glenn-Rakete scheint seit der Vorstellung im September des letzten Jahres noch Designänderungen durchlaufen zu haben; insbesonderen die großen Seitenflossen am Heck sind neu.

Neues Bild (links) und Präsentation vom September 2016 (rechts) (Bilder: Blue Origin)

New Glenns Nutzlastkapazität wird mit 45 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn angegeben, vergleichbar der Falcon Heavy von SpaceX. Blue Origin plant den ersten Start für 2020.


Donnerstag, 2. März 2017

SpaceX kündigt bemannte Mondumrundung für 2018 an

Wie das Unternehmen von Elon Musk am Montag bekanntgab, sollen zwei Privatleute Ende nächsten Jahres zum Mond fliegen: an Bord der Dragon 2-Kapsel, ins All befördert von einer Falcon Heavy-Trägerrakete.

Die zukünftigen Astronauten (und wahrscheinlichen Milliardäre) seien von sich aus auf SpaceX zugekommen und hätten bereits eine größere Anzahlung für den touristischen Mondflug geleistet. Inzwischen gebe es auch andere Interessenten für derartige Missionen.

Sollte es tatsächlich bei dem Zeitplan bleiben, würde die Mission praktisch genau 50 Jahre nach Apollo 8 (Dezember 1968) stattfinden, der ersten bemannten Mission zum Mond überhaupt.

Bislang sind allerdings weder Falcon Heavy noch Dragon 2 praktisch erprobt. Der Schwerlastträger soll nach einer langen Reihe von Verzögerungen in diesem Sommer zum ersten Mal starten, die bemannte Version der Dragon-Kapsel ab dem nächsten Jahr Astronauten zur ISS befördern.

Dragon-Kapsel im Erdorbit (Bild: SpaceX)

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die NASA ihrerseits erwägt, mit dem ersten Flug der neuen SLS-Rakete Astronauten zum Mond zu schicken. Bislang war für 2018 nur ein unbemannter Testflug von SLS und Orion-Kapsel geplant gewesen. Die Anweisung, die Möglichkeit einer bemannten Mission zu untersuchen, kam von der Trump-Regierung.

Ob NASA und SpaceX somit nun in direkter Konkurrenz zueinander stehen und sich quasi einen Wettlauf zum Mond liefern werden, sei dahingestellt. SpaceX-Chef Elon Musk jedenfalls betonte auch diesmal wieder, wie sehr man der Raumfahrtbehörde verbunden sei. Trotzdem wäre es für die NASA ohne Frage peinlich, wenn eine private Firma ihr zuvorkommen sollte. Insbesondere die politische Unterstützung für SLS/Orion könnte hierdurch erschüttert werden.


Sonntag, 26. Februar 2017

Erster Start von SLS jetzt mit Crew an Bord?

Überraschend hat die NASA angekündigt, die Möglichkeit zu untersuchen, bereits die erste SLS-Mission bemannt durchzuführen. Die Anweisung dazu kam aus dem Weißen Haus.

Die Lage des US-Raumfahrtprogramms bleibt unübersichtlich. Innerhalb der Trump-Regierung und des Übergangsteams bei der NASA kämpfen zwei Gruppen um die Vorherrschaft: Auf der einen Seite die Bewahrer des Status quo, die vor allem die Großprojekte SLS und Orion aus den Obama-Jahren hinüberretten wollen. Auf der anderen Verfechter eines stärker kommerziell orientierten Programms, das Firmen wie SpaceX und Blue Origin eine größere Rolle zuweisen würde.

Existierende und zukünftige US-Trägersysteme




Vor gut zwei Wochen berichtete das Magazin Politico in einem faszinierenden Artikel über diese Auseinandersetzung. Demnach schien es, als sei das "New Space"-Lager im Vorteil. Die nun vom Weißen Haus in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hinsichtlich der ersten SLS-Mission weckt Zweifel an dieser Sichtweise.

Auf der eigentlich als unbemannter Testflug für das Jahr 2018 geplanten EM-1-Mission soll die Orion-Kapsel den Mond umrunden. Sollten nun tatsächlich Astronauten an Bord sein, hätte man im Grunde eine Wiederholung der Apollo 8-Mission von 1968 - mit dem Unterschied, dass Saturn-Rakete und Apollo-Kapsel damals schon Erprobungsflüge hinter sich hatten. Diese Planänderung wäre ohne Zweifel mit erheblichen Mehrkosten verbunden und würde wohl auch das Startdatum nach hinten verschieben. Es stellt sich die Frage: wozu?

Flugbahn von EM-1 (Bild: NASA)

Es wäre auch möglich, dass man hier nur den Anschein erwecken will, dass die alte Garde ihre verdiente Chance bekommt - um den Vorschlag dann mit wesentlich günstigeren Alternativen von SpaceX bzw. Blue Origin zu kontrastieren und folgerichtig abzulehnen.
Bis ein neuer NASA-Chef ernannt wird und die Trump-Regierung offiziell ihre Linie für das Raumfahrtprogramm bekannt gibt, muss dies Spekulation bleiben.


Sonntag, 19. Februar 2017

SpaceX Update

Nach längerer Pause hier eine kurze Übersicht in Sachen SpaceX:

Start der CRS-10-Mission erfolgreich, zweite Landung an Land geglückt, Dragon-Kapsel auf dem Weg zur ISS
Es ist dies die erste Mission vom Startkomplex 39A in Florida seit dem Ende des Shuttle-Programms im Jahr 2011. Zu Apollo-Zeiten starteten von hier auch die Saturn V-Mondraketen. SpaceX hatte die Anlage nach langem Streit mit Konkurrent Blue Origin von der NASA übernommen.

Die Hauptstufe der Falcon 9 landet an der Küste Floridas (Bild: SpaceX)

Update: Hier noch ein wunderschönes Video von der Landung:



Start der ersten unbemannten Marsmission verschiebt sich auf 2020
Ursprünglich sollte die Red Dragon getaufte Marsversion der Dragon-Kapsel bereits 2018 zum roten Planeten starten. Laut SpaceX-Präsidentin Shotwell verschiebt sich das Startdatum um zwei Jahre nach hinten. Insbesondere das Crew-Programm und die um Jahre verspätete Falcon Heavy stehen derzeit im Vordergrund.

Erste bemannte Mission weiter für 2018 geplant
SpaceX gibt sich optimistisch, noch im nächsten Jahr mit der bemannten Version der Dragon-Kapsel zum ersten Mal Astronauten ins All bringen zu können. Daran hatte es immer wieder Zweifel gegeben, auch Konkurrent Boeing kämpft mit Problemen.


Derweil geht innerhalb der Trump-Regierung der Kampf um eine Neuausrichtung der NASA weiter, dazu demnächst ein längerer Bericht.


Samstag, 14. Januar 2017

SpaceX zurück im Orbit

Nach der Explosion auf der Startrampe Anfang September letzten Jahres meldet sich SpaceX mit der erfolgreich durchgeführten Iridium-1-Mission zurück.

Viereinhalb Monate nach der AMOS-6-Pleite gab es heute einen Bilderbuchstart ohne Verzögerungen oder sonstige Pannen. Auch die Landung der ersten Stufe auf einer schwimmenden Plattform im Pazifik war erfolgreich. Es war dies der 30. Start einer Falcon 9, die siebte erfolgreiche Stufenrückführung und der dritte Start vom SpaceX-Startkomplex auf der Vandenberg Air Force Basis in Kalifornien.

Ein Video aufgenommen von einer Kamera an Bord der ersten Stufe (welche einer suborbitalen Flugbahn folgt und, anders als der Titel des Videos suggeriert, nie die Umlaufbahn erreicht):


Ziel der Mission war der Transport der ersten zehn Satelliten einer neuen Konstellation des Iridium-Kommunikationssystems in eine Erdumlaufbahn. Diese NEXT genannte Konstellation soll am Ende 72 Satelliten umfassen und die alten Iridium-Satelliten aus den 90er Jahren schrittweise ersetzen. Jeder Satellit wiegt 860 Kilogramm, dazu kommt ein Nutzlastadapter, der nochmal eine Tonne auf die Waage bringt. Insgesamt betrug die Nutzlast für die heutige Mission also knapp zehn Tonnen. Noch dazu mussten die Satelliten in eine polare Umlaufbahn befördert werden: Der Extraboost durch die Erdrotation bei Starts in östlicher Richtung über den Atlantik fiel also weg. Daher entschied man sich bei SpaceX für die Landung auf der Seeplattform und gegen einen Rückflug zum Startplatz; für letzteres fehlten bei diesem Missionsprofil die Treibstoffreserven.

Start der Falcon 9 mit Iridium-1 am 14. Januar 2017 (Bild: SpaceX)

Dienstag, 13. Dezember 2016

Trump trifft sich mit Elon Musk, Jeff Bezos und weiteren Technologiegrößen [Update]

Wie das Wall Street Journal erfahren haben will, ist für den morgigen Mittwoch ein Treffen in New York geplant, bei dem das Who-is-who der amerikanischen Technologiebranche anwesend sein wird.

Demnach hat Peter Thiel, ein deutschstämmiger Investor und Milliardär, der sich bereits im Wahlkamp für Trump eingesetzt hatte (und damit im Silicon Valley eine absolute Ausnahme darstellte), das Treffen mitorganisiert. Er ist Mitglied von Trumps Übergangsteam und berät den gewählten Präsidenten in Technologiefragen. Thiel und Musk kennen sich bereits aus Paypal-Zeiten.

 
Mit Jeff Bezos wird ein weiterer Raumfahrt-Unternehmer anwesend sein. Der Amazon-Chef verfolgt mit seiner Firma Blue Origin eine ähnliche Strategie wie Musk mit SpaceX, den Zugang zum Weltraum durch wiederverwendbare Raketen erschwinglicher zu machen.

Existierende bzw. geplante Trägerraketen: Modelle von SpaceX und Blue Origin, u.a. (Bilder: Blue Origin u. SpaceX, vom Autor bearbeitet)

Als weitere Teilnehmer des Treffens werden u.a. die Chefs bzw. führende Vertreter von Google, Apple, Facebook, Microsoft, Intel und IBM erwartet. Ob neben Themen wie Digitalisierung/Automatisierung, Abbau von Innovationshindernissen/Regulierungen, Freihandelspolitik, Umweltstandards etc. auch das Raumfahrtprogramm bei dem Treffen eine größere Rolle spielen wird, und ob Musk bzw. Bezos sich dazu entsprechend äußern werden, ist offen. Aber immerhin haben die Chefs der beiden führenden privaten Raumfahrtfirmen hier die vielleicht einmalige Chance, Trumps Sicht der Dinge nachhaltig zu beeinflussen.

Update 14.12.16:

Wie Reuters berichtet, wird Elon Musk nun sogar Mitglied des Beratergremiums, das Trump in Wirtschafts- und Technologiefragen beraten soll. Musk hatte sich vor der Wahl recht kritisch über den neuen Präsidenten geäußert.
Einen viel direkteren Zugang kann es für den SpaceX-Chef also gar nicht geben. Nun liegt es an ihm, zu überzeugen, und an Trump, offen für neue Ideen zu sein.


Mittwoch, 23. November 2016

Internet-Satellitenprojekt von SpaceX gibt Lebenszeichen

SpaceX hat bei der zuständigen Regierungsstelle einen offiziellen Antrag zur Genehmigung seines gigantischen Satellitenprojekts eingereicht.

Zuletzt war es still geworden um die Pläne von SpaceX, den Globus aus dem All flächendeckend mit schnellem Internetzugang zu versorgen. Elon Musk selbst sagte kürzlich, das Vorhaben habe derzeit keine Priorität. Auch von Gwynne Shotwell (Präsidentin von SpaceX) hörte man Ähnliches.
Dennoch ist das Projekt ganz offensichtlich nicht tot: Am 15. November ging bei der FCC (Federal Communications Commision, diese Regierungsstelle kümmert sich in den USA um die Regulierung des Kommunikationsmarkts) ein Antrag von SpaceX zur Genehmigung der besagten Satellitenkonstellation ein.

Die Dimensionen des Vorhabens sprengen dabei alles bisher Dagewesene: Sage und schreibe 4425 Satelliten soll das Netzwerk am Ende umfassen. Zum Vergleich: Derzeit umkreisen insgesamt ca. 1400 aktive Satelliten die Erde.

SpaceX wird die Kommunikationssatelliten an einem eigens dafür geschaffenen Standort in Redmond selber entwickeln. Ein Hauptziel dabei wird sein, die Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten. Die Satelliten werden eine Masse von knapp 400 Kilogramm haben und damit deutlich kleiner als klassische Kommunikationssatelliten in einer geostationären Umlaufbahn sein, die mehrere Tonnen wiegen können. Die ersten 1600 Exemplare sollen die Erde in einer Höhe von 1150 Kilometern umkreisen, weitere 2825 Satelliten werden sich in Umlaufbahnen zwischen 1110 und 1325 Kilometern Höhe bewegen.

Selbst wenn man von optimistischen Annahmen ausgeht, was die zukünftigen Startkosten für Falcon 9 und Falcon Heavy angeht, kommt man zu dem Ergebnis, dass es mehrere Milliarden Dollar kosten wird, eine solche Satellitenkonstellation aufzubauen - die Kosten für die Entwicklung der Satelliten und entsprechender Empfänger für Endverbraucher noch nicht mitgerechnet. Selbst Googles Investition in Höhe von einer Milliarde Dollar im Januar 2015, die im Zusammenhang mit den Satellitenplänen steht, dürfte also bei weiten nicht ausreichen.

Zudem gibt es mit Oneweb einen Konkurrenten, dessen Pläne zwar etwas weniger grandios ausfallen (648 Satelliten laut Firmenwebseite, andere Quellen sprechen von bis zu 900 Satelliten), dafür aber anscheinend schon weiter gediehen sind. Airbus entwickelt derzeit die Satelliten für das Projekt, an dem unter anderem auch Virgin-Chef Richard Branson beteiligt ist. Ende 2017 sollen die ersten zehn Exemplare ins All gebracht werden, zwei Jahre darauf könnte die gesamte Konstellation stehen.

Infografik von Airbus zum Oneweb-Projekt

Von SpaceX gibt es keine Informationen, wann das geplante Kommunikationsnetzwerk seinen Betrieb aufnehmen könnte, doch selbst 2020 scheint unter diesen Umständen optimistisch - der Fokus liegt derzeit klar auf anderen Projekten, wie Dragon 2, Falcon Heavy und ITS.