Dienstag, 6. Februar 2018

Falcon Heavy - Start erfolgreich

Der Jungfernflug der Falcon Heavy war erfolgreich. Die beiden Booster landeten mit nahezu perfekter Synchronität. Ob die Landung der Hauptstufe auf der Seeplattform ebenfalls erfolgreich war, ist im Moment noch offen. Die zweite Stufe befindet sich derzeit im Erdorbit und wird in einigen Stunden erneut zünden, um auf eine heliozentrische Umlaufbahn zu gelangen.

Schon jetzt ein spektakulärer Erfolg für SpaceX!

Update: Die Hauptstufe hat es leider nicht geschafft. Wie Musk auf der Pressekonferenz nach der Mission mitteilte, zerschellte sie mit einer Geschwindigkeit von ca. 500 km/h auf der Wasseroberfläche. Die dabei in alle Richtungen geschleuderten Trümmerteile beschädigten sogar noch die 100 Meter entfernte Seeplattform. Ursache war, dass nur eines von drei für die Landung vorgesehenen Triebwerken zündete. Das Problem sollte aber leicht zu korrigieren sein. Die Hauptstufe war ohnehin nicht für eine Wiederverwendung vorgesehen.

Die erneute Zündung der Oberstufe mit dem Tesla Roadster an der Spitze war erfolgreich. Der resultierende Orbit wird den roten Sportwagen mit Starman am Steuer nun sogar bis hinaus zum Asteroidengürtel führen (statt nur bis zum Mars).

Die derzeit stärkste Rakete weltweit hebt zum ersten Mal ab: Falcon Heavy (Bild: SpaceX)

Die beiden Booster landen zeitgleich an der Küste Floridas (Bild: SpaceX)

Musk gab außerdem noch ein paar interessante Informationen zum neuen BFR-Trägersystem bekannt, das derzeit bei SpaceX entwickelt wird: Demnach schreiten die Arbeiten daran zügig voran und Musk hofft, dass es bereits Ende 2019 erste Tests mit dem BFS (Big F*cking Ship) geben könnte. Dabei handelt es sich um den schwieriger zu realisierenden, orbitalen Teil des Systems; die Entwicklung des Boosters sollte nach den mit Falcon 9 und Falcon Heavy gesammelten Erfahrungen kein größeres Problem darstellen. Das BFS wird in der Lage sein, einstufig die Erdumlaufbahn zu erreichen. Zuerst wird man aber suborbitale "Hopser" in ein paar Kilometer Höhe durchführen, ähnlich wie von ein paar Jahren mit dem Grasshopper.

Elon Musks Tesla mit Starman am Steuer im Erdorbit (Bild: SpaceX)



Erstflug der Falcon Heavy


Update - Den Livestream gibt es hier: https://youtu.be/wbSwFU6tY1c


Hier ein paar Videos und Bilder zur Einstimmung auf den Start von Falcon Heavy (heute um 19:30 MEZ):





Die Nutzlast: Elon Musks Tesla Roadster mit "Starman" am Steuer (Bild: SpaceX)

Größenvergleich Mensch/Rakete - s. unten links (Bild: Teslarati)

Bereit zum Start: Falcon Heavy auf Startrampe 39A in Florida (Bild: SpaceX)


Donnerstag, 1. Februar 2018

Überblick Raumfahrtnachrichten Januar 2018

Nach längerer Pause hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen in den letzten Wochen.

SpaceX

Zuma-Mission: Northrop Grumman verantwortet Fehlschlag

Nach dem Start am 7. Januar sah zuerst alles nach einer weiteren Bilderbuchmission aus. Die geheime Nutzlast einer US-Regierungsbehörde wurde von einer Falcon 9 erfolgreich in die Umlaufbahn transportiert. Jedoch kam es bei der Aussetzung des Satelliten zu einer Panne, da der von Northrop Grumman konstruierte Nutzlastadapter nicht wie vorgesehen funktionierte. Anscheinend resultierte dies in einem Totalverlust von Zuma. Die Air Force hat SpaceX inzwischen ihr Vertrauen ausgesprochen, was noch einmal deutlich macht, dass das Problem nicht bei der Falcon 9 lag. Das hatte zuvor schon SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell betont.

Landung der ersten Stufe während der Zuma-Mission (Bild: SpaceX)


Falcon Heavy: Test auf der Startrampe

Nach unzähligen Verzögerungen scheint es nun tatsächlich so, als ob der erste Flug der Falcon Heavy kurz bevorsteht. Am 24. Januar wurde eine Testzündung auf der Startrampe durchgeführt. Die 27 Merlin-Triebwerke der drei Booster feuerten dabei für etwa 10 Sekunden. Damit ist der Weg frei für einen Startversuch am 6. Februar.



GovSat-1: Booster übersteht Wasserlandung

Die Nutzlast wurde quasi routinemäßig in eine geostationäre Umlaufbahn befördert. Bei dieser Mission war, anders als sonst üblich, keine Landung auf einer der beiden Seeplattformen von SpaceX vorgesehen. Elon Musk verkündete heute jedoch überraschenderweise auf Twitter, dass man ein neues Landemanöver (mit drei Triebwerken) getestet habe, um so in Zukunft Beschädigungen der Plattform beim Aufsetzen der ersten Stufe zu vermeiden - mit dem Ergebnis, dass der Booster die Wasserung intakt überstanden hat! Musk veröffentlichte ein Bild, das die Stufe auf der Seite im Ozean treibend zeigt.

Die erste Stufe der Falcon 9 im Atlantik (Bild: SpaceX)


Blue Origin

Triebwerkstests gehen weiter

Anfang Januar veröffentlichte die verschwiegene Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos ein Video von einer weiteren Testzündung des BE-4 Triebwerks. Dieses soll einmal die ebenfalls noch ein Entwicklung befindliche New Glenn-Trägerrakete antreiben.

 
Außerdem gibt es nun ein erstes Bild des geplanten Blue Moon-Landers. Damit sollen einmal "große" Nutzlasten zum Mond befördert werden. Der Lander kann verschiedene Trägersysteme nutzen. Interessanterweise werden von Blue Origin namentlich SLS, Atlas V, Vulcan und New Glenn genannt, nicht aber die Falcon-Raketen von Konkurrent SpaceX.

Zukunftsvision von Blue Origin (Bild: Blue Origin)


Rocket Labs

Schon beim zweiten Testflug gelang es dem kleinen US-Unternehmen, die Umlaufbahn zu erreichen. Am 21. Januar beförderte die "Electron" getaufte Rakete drei Minisatelliten für kommerzielle Kunden in eine Erdumlaufbahn. Die Firma möchte sich auf diesen Markt für Kleinstsatelliten spezialisieren und Starts ab ca. 5 Millionen Dollar anbieten.



NASA

Nominierung von Bridenstine weiter in der Schwebe

Noch immer hat die NASA keinen neuen Chef. Insbesondere zwei Politiker, Senator Bill Nelson (Demokraten) und Senator Marco Rubio (Republikaner), beide aus Florida, blockieren die Bestätigung des von der Trump-Regierung für den Posten nominierten Jim Bridenstine. Möglich, dass Nelson und Rubio um die Zukunft des NASA-Projekts SLS fürchten, sollte Bridenstine neuer Chef der Raumfahrtbehörde werden. Insbesondere jetzt, da der Erstflug der Falcon Heavy unmittelbar bevorsteht und auch das Weiße Haus Interesse an privatwirtschaftlichen Alternativen zeigt.

 
Europa

Europa liegt weit zurück, was wiederverwendbare Trägersysteme angeht. Das soll sich mit den zwei Forschungsprojekten Callisto und Prometheus ändern. Bei Prometheus handelt es sich um ein wiederverwendbares, methangetriebenes Triebwerk (s. BE-4 und Raptor), mit Callisto will man Erfahrungen bei der Entwicklung und Erprobung eines wiederverwendbaren Boosters sammeln.
Im Konzeptvideo (s. unten, ab 1:53) ist eine frappierende Ähnlichkeit von Callisto mit der ersten Stufe der Falcon 9 von SpaceX nicht zu übersehen. Callisto wird allerdings sehr viel kleiner: 13,5 Meter Länge, 1 Meter Durchmesser. Es handelt sich eben nur um einen Prototypen und keinen einsatzfähigen Träger. Auch die dafür zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel sind bisher eher bescheiden; 1-2 Prozent des Ariane 6-Budgets von 3,6 Milliarden Euro sollen in seine Entwicklung fließen.
Callisto könnte 2020 zum ersten Mal abheben. Prometheus wird länger bis zur Einsatzreife brauchen und wäre auch zu stark für eine so kleine Testrakete. Das neue Triebwerk könnte in einer weiterentwickelten Version der Ariane 6 (Erstflug 2020) Verwendung finden oder ein neues Trägersystem antreiben.



Montag, 25. Dezember 2017

Letzte SpaceX-Mission in 2017 erfolgreich, Vorbereitungen für Falcon Heavy laufen

Mit dem Start von Iridium 4 am 23. Dezember hat SpaceX in diesem Jahr insgesamt 18 erfolgreiche Missionen durchgeführt, es gab keine Fehlschläge. Das ist neuer Rekord für das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk. Daneben gelang es SpaceX in diesem Jahr zum ersten Mal, eine bereits geflogene erste Stufe erneut zu starten (insgesamt fünfmal in 2017), sowie die Dragon-Kapsel wiederzuverwenden (zweimal).

Für 2018 sind 30 Starts geplant. Damit lässt SpaceX etablierte Anbieter weit hinter sich. Den Anfang macht ZUMA: eine geheime Nutzlast, die SpaceX Anfang Januar für eine US-Regierungsbehörde ins All befördern soll.

Die sicherlich spektakulärste Mission im nächsten Jahr wird der Jungfernflug der Falcon Heavy sein. Die um ca. fünf Jahre verspätete Riesenrakete soll ebenfalls im Januar zum ersten Mal abheben.
Als "Nutzlast" wird sie Elon Musks roten Tesla Roadster zum Mars befördern; öffentliche Aufmerksamkeit dank spektakulärer Bilder ist also garantiert.





Falcon Heavy im Hangar, Musks Tesla Roadster auf dem Nutzlastadapter (Bilder: SpaceX)

Update 5. Januar 2018: SpaceX hat inzwischen weitere Bilder der Falcon Heavy auf der Startrampe in Florida veröffentlicht. Der Start ist laut Elon Musk für Ende des Monats geplant.


Falcon Heavy auf Startkomplex 39A (Bilder: SpaceX)


Dienstag, 21. November 2017

Update SpaceX/Blue Origin

Hier ein paar berichtenswerte Entwicklungen in Sachen SpaceX und Blue Origin:

 Erste erfolgreiche Testzündung des BE4-Triebwerks von Blue Origin im Oktober

Nach einem Fehlschlag im Mai dieses Jahres konnte die Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos nun einen wichtigen Erfolg bei der Entwicklung des methangetriebenen Raketenmotors verbuchen. Zum ersten Mal wurde das Triebwerk erfolgreich gezündet, wenn auch nur für eine Dauer von drei Sekunden und bei 50% Leistung. Dennoch beweist Blue Origin damit, dass man damit rechnen kann, dass die Entwicklungsarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden und das Triebwerk sowohl für die geplante Vulcan-Rakete von ULA als auch für das von Blue Origin selbst geplante New Glenn-Trägersystem zum Einsatz kommen wird.

Testzündung von BE4 am 18. Oktober 2017 (Bild: Blue Origin)


SpaceX rechnet mit finanzieller Unterstützung für Entwicklung von BFR/BFS

Auf der NewSpace Europe Konferenz in Luxemburg sagte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell, dass man davon ausgehe, bei der Entwicklung des neuen Schwerlast-Trägersystems BFR Unterstützung von staatlicher Seite zu erhalten, auch wenn man darauf nicht angewiesen sei. Vor allem die US Air Force käme als Geldgeber in Frage. Bereits jetzt erhält SpaceX gut 70 Millionen Dollar für die Entwicklung des Raptor-Triebwerks von der Air Force. Außerdem gibt es ein USAF-Projekt, das letzlich einen Ersatz für die Atlas V von ULA mit ihren russischen RD-180-Triebwerken hervorbringen soll. Mehrere Teams sollen Prototypen bis zur Durchführung erster Testflüge entwickeln. SpaceX wird sich dafür mit dem BFR-System bewerben und kann sich wohl gute Chancen ausrechnen, zu den Gewinnern zu gehören. BFR wäre vor allem im Hinblick auf besonders schwere Nutzlasten der Air Force in den 2020er Jahren eine interessante Option.

BFR-Booster mit BFS an der Spitze (Bild: SpaceX)

Shotwell sagte auch, dass sie eine Beteiligung von SpaceX an einem neuen Mondprogramm der Regierung erwarte. Derzeit sieht es so aus, als ob die Trump-Regierung eine bemannte Rückkehr zum Mond als neues Hauptziel für die NASA ausgeben wird.

Zuma-Mission mit geheimer Nutzlast verzögert sich

Ursprünglich sollte eine Falcon 9 die mysteriöse Fracht bereits vor einigen Tagen ins All befördern. Doch anscheinend gibt es Probleme mit der Nutzlastverkleidung. Die Falcon-Rakete wurde bereits zurück in den Hangar gerollt und wird nun frühestens im Dezember starten. Worum es sich bei "Zuma" handelt, ist geheim. Bekannt ist lediglich, dass die Nutzlast von einer Regierungsbehörde kommt.


Samstag, 30. September 2017

SpaceX stellt überarbeiteten Marsplan vor

Elon Musk hat auf dem gerade zu Ende gegangenen IAC in Adelaide, Australien, die aktuellen Pläne seiner Firma für bemannte Marsmissionen vorgestellt. Am Ende gab es noch eine echte Überraschung.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Musk zum ersten Mal eine Missionsarchitektur für bemannte Flüge zum Roten Planeten, und letztlich seine Besiedlung, der Öffentlichkeit präsentiert. Nun gab es ein Update: Der neue Plan ist etwas weniger grandios, dafür wohl realistischer.

BFR

Die 2016 unter der Bezeichnung ITS (Interplanetary Transport System) vorgestellte Riesenrakete ist geschrumpft und trägt nun wieder den ursprünglichen Namen BFR (Big F*cking Rocket bzw. offiziell Big Falcon Rocket). Der Durchmesser wurde von zwölf auf neun Meter reduziert, die Länge von 122 auf 106 Meter. Die Zahl der Raptortriebwerke wurde entsprechend verringert und ein Deltaflügel am Heck der zweiten Stufe verändert das äußere Erscheinungsbild leicht. BFR sieht dem ITS aber immer noch sehr ähnlich.

BFR-Oberstufe (Bild: SpaceX)

Die Nutzlastkapazität halbiert sich im Vergleich zum ITS: statt 300 Tonnen (voll wiederverwendbar) bzw. 500 Tonnen (Einweg) für das ITS in eine niedrige Erdumlaufbahn sind es nun immerhin noch 150 bzw. 250 Tonnen. Damit würde die überarbeitete BFR immer noch alle anderen bislang gebauten bzw. geplanten Träger ausstechen, einschließlich Saturn V und SLS (diese sind außerdem nicht wiederverwendbar).

Die BFR-Oberstufe wird ein Volumen größer als das eines A380 haben und damit ca. 100 Menschen Platz bieten, verteilt auf 40 Kabinen. Dazu kommen Gemeinschaftsräume.

Es wird verschiedene Varianten geben: Crew, Frachter und Tanker.

Das BFR-System wird natürlich vor allem für das langfristige Ziel von SpaceX, eine Marskolonie zu gründen, entwickelt. Es ließe sich damit aber auch eine Mondbasis realisieren. Die Oberstufe könnte nach einer Betankung im Erdorbit auf der Mondoberfläche landen und zurück zur Erde starten. Bei Marsmissionen wäre neben der erneuten Betankung im Weltraum vor Abflug auch die Nutzung von lokalen Ressourcen auf dem Mars nötig: Aus dem dort vorhandenen Wasser sowie dem Kohlendioxid in der Atmosphäre ließen sich Flüssigsauerstoff und Methan für die BFR-Triebwerke gewinnen.

Für die Versorgung der ISS und den Transport von Satelliten wird in einigen Jahren ebenfalls das BFR zum Einsatz kommen.

BFR auf dem Mond: Sollte der Mond das Hauptziel der NASA werden, ist SpaceX vorbereitet. (Bild: SpaceX)

Alles auf eine Karte

Musk kündigte dann auch folgerichtig an, dass BFR mittelfristig alle anderen Trägersysteme von SpaceX ablösen wird: Falcon 9, Falcon Heavy, sowie die Dragonkapsel. Damit wolle man es ermöglichen, in Zukunft alle Ressourcen der Firma auf die Entwicklung von BFR zu konzentrieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird auch die Entscheidung verständlicher, den Marslander Red Dragon nicht weiterzuentwickeln.

Für den Fall, dass die Arbeiten an BFR langsamer als geplant vorankommen bzw. Kunden die bereits existierenden Träger bevorzugen, wird SpaceX Falcon-Stufen auf Vorrat produzieren.

Was das BFR-System wirklich revolutionär macht sind seine extrem niedrigen Startkosten dank vollständiger Wiederverwendbarkeit. Laut Musk wird ein Start von BFR weniger kosten als eine Falcon 1-Mission, d.h. unter 10 Millionen Dollar. Damit würde SpaceX mit dem neuen System bestehende Anbieter preislich ca. um den Faktor 100 unterbieten. Schon jetzt ist die Falcon 9 der mit Abstand günstigste westliche Träger, was sich auch in der Zahl der Startaufträge für SpaceX widerspiegelt: Nach ca. 20 Starts in diesem Jahr werden es 2018 voraussichtlich um die 30 sein - das entpricht 50% der durchschittlichen Anzahl aller orbitalen Raketenstarts in einem Jahr weltweit. Wie sich europäische Anbieter unter diesen Bedingungen halten sollen, ist unklar.

Vergleich der Startkosten internationaler Träger (Bild: SpaceX)

Entwicklung läuft

Musk zeigte bei seiner Präsentation ein Video einer Testzündung des Raptor-Triebwerks. Zusammengerechnet hat der Antrieb mittlerweile 20 Minuten Testbetrieb hinter sich, die längste Zündung lief über 100 Sekunden. Insgesamt gab es bislang 42 Triebwerkstests.

Die technischen Eckdaten von Raptor sind nun etwas weniger ambitioniert, doch Musk deutete an, dass man das Triebwerk Schritt für Schritt in Richtung der ursprünglichen Ziele weiterentwickeln werde; so lief es in der Vergangenheit auch mit dem Merlin-Antrieb der Falcon 9.

Der Prototyp eines Riesentanks wurde bis an seine Grenzen und darüber hinaus getestet. SpaceX ist nun zuversichtlich, dass der Einsatz von Verbundwerkstoffen für die Herstellung machbar ist.

Die Fertigungsanlagen für BFR sind laut Musk bereits bestellt bzw. im Bau. Die Konstruktion des ersten Exemplars soll bereits in sechs bis neun Monaten beginnen.

Zeitplan 

Damit scheinen die angekündigten Zieldaten zumindest nicht völlig ausgeschlossen. Zwei unbemannte Frachtmissionen zum Mars 2022, gefolgt von zwei bemannten Missionen sowie zwei weiteren Frachtflügen 2024.
Selbst wenn sich der Zeitplan deutlich nach hinten verschiebt, zum Beispiel auf 2030, wäre das immer noch ein Jahrzehnt früher (und in der Umsetzung bereits jetzt wesentlich konkreter) als entsprechende Vorhaben der NASA.

Mit dem BFR von New York nach Shanghai

Zum Schluss seines Vortrags zeigte Musk noch ein Video, das den möglichen Einsatz der neuen Rakete für schnelle Interkontinentalflüge zeigt: Die meisten Langstrecken ließen sich damit in ca. einer halben Stunde zurücklegen, jeder Punkt auf der Erde wäre in weniger als einer Stunde erreichbar.




Sonntag, 10. September 2017

Überblick SpaceX/NASA

Nach längerer Pause hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen der letzten Wochen.

Neuer NASA-Chef

Rep. Jim Bridenstine (Bild: United States Congress)
Die Trump-Regierung hat nun offiziell Jim Bridenstine für das Amt des NASA-Leiters nominiert. Er muss noch durch den Senat bestätigt werden. Auch wenn es Kritik von einigen Politikern gibt (die sich ironischerweise darüber beschweren, dass ein Politiker als Chef der Raumfahrtbehörde ungeeignet sei), stehen die Chancen gut, dass er den Posten übernimmt. Bridenstine war bislang Abgeordneter im Repräsentantenhaus des US-Kongresses und zeigte großes Intereresse für Raumfahrtthemen. Er hatte sich aktiv um den Job beworben.

Bridenstine folgt auf den recht glück- und farblosen Charlie Bolden. Dessen Vorgänger Michael Griffin, von dem man einige Zeit munkelte, er wolle zurück zur NASA, ist mittlerweile in die Privatwirtschaft gewechselt.

Wohin Bridenstine die Behörde steuern wird, bleibt abzuwarten. Offizielle Vorgaben von der Trump-Regierung gibt es nämlich, mehr als sieben Monate nach Amtsantritt, immer noch nicht. Es deutet Vieles darauf hin, dass der große Wurf ausbleiben wird und man stattdessen versuchen wird, privatwirtschaftlich fokussierte Initiativen wie COTS und Commercial Crew einerseits und die beiden NASA-Großprojekte SLS und Orion andererseits in einer Art friedlichen Koexistenz zu halten.


SpaceX bringt Mini-Shuttle der Air Force ins All

Am 7. September hat SpaceX zum ersten Mal eine Nutzlast für die US-Luftwaffe in die Umlaufbahn befördert. Und nicht irgendeine: Die X-37B ist ein unbemannter Raumgleiter, der im Orbit geheime Aufgaben ausführt. Bereits viermal war das Shuttle seit 2010 im All, die Missionen dauerten bis zu zwei Jahre. Bisher wurde für den Transport immer eine Atlas V von SpaceX-Konkurrent ULA genutzt.

Eine X-37B nach der Landung (Bild: US Air Force)

Hier das Video, inklusive Landung der ersten Stufe in Cape Canaveral:


Zuvor waren bereits die FORMOSAT-5-Mission am 24. August sowie ein Versorgungsflug zur ISS am 14. August erfolgreich.

Zeitraffer-Video, aufgenommen von Bord der ersten Stufe


Erste Bilder von SpaceX-Raumanzug

Elon Musk hat auf Twitter zwei Fotos des neuen Raumanzugs veröffentlicht, den Astronauten an Bord der Dragon 2-Kapsel tragen werden, wenn sie nächstes Jahr zum ersten Mal starten. Auffallend ist das im Vergleich zu herkömmlichen Anzügen sehr ästhetische Erscheinungsbild. So etwas könnte man sich auch als Kostüm in einem Science-Fiction-Film vorstellen.


Voraussichtlich 2018 wird SpaceX erstmals bemannte Missionen durchführen (Bild: SpaceX)