Samstag, 14. Januar 2017

SpaceX zurück im Orbit

Nach der Explosion auf der Startrampe Anfang September letzten Jahres meldet sich SpaceX mit der erfolgreich durchgeführten Iridium-1-Mission zurück.

Viereinhalb Monate nach der AMOS-6-Pleite gab es heute einen Bilderbuchstart ohne Verzögerungen oder sonstige Pannen. Auch die Landung der ersten Stufe auf einer schwimmenden Plattform im Pazifik war erfolgreich. Es war dies der 30. Start einer Falcon 9, die siebte erfolgreiche Stufenrückführung und der dritte Start vom SpaceX-Startkomplex auf der Vandenberg Air Force Basis.

Ein Video aufgenommen von einer Kamera an Bord der ersten Stufe (welche einer suborbitalen Flugbahn folgt und, anders als der Titel des Videos suggeriert, nie die Umlaufbahn erreicht):


Ziel der Mission war der Transport der ersten zehn Satelliten einer neuen Konstellation des Iridium-Kommunikationssystems in eine Erdumlaufbahn. Diese NEXT genannte Konstellation soll am Ende 72 Satelliten umfassen und die alten Iridium-Satelliten aus den 90er Jahren schrittweise ersetzen. Jeder Satellit wiegt 860 Kilogramm, dazu kommt ein Nutzlastadapter, der nochmal eine Tonne auf die Waage bringt. Insgesamt betrug die Nutzlast für die heutige Mission also knapp zehn Tonnen. Noch dazu mussten die Satelliten in eine polare Umlaufbahn befördert werden: Der Extraboost durch die Erdrotation bei Starts in östlicher Richtung über den Atlantik fiel also weg. Daher entschied man sich bei SpaceX für die Landung auf der Seeplattform und gegen einen Rückflug zum Startplatz; für letzteres fehlten bei diesem Missionsprofil die Treibstoffreserven.

Start der Falcon 9 mit Iridium-1 am 14. Januar 2017 (Bild: SpaceX)

Dienstag, 13. Dezember 2016

Trump trifft sich mit Elon Musk, Jeff Bezos und weiteren Technologiegrößen [Update]

Wie das Wall Street Journal erfahren haben will, ist für den morgigen Mittwoch ein Treffen in New York geplant, bei dem das Who-is-who der amerikanischen Technologiebranche anwesend sein wird.

Demnach hat Peter Thiel, ein deutschstämmiger Investor und Milliardär, der sich bereits im Wahlkamp für Trump eingesetzt hatte (und damit im Silicon Valley eine absolute Ausnahme darstellte), das Treffen mitorganisiert. Er ist Mitglied von Trumps Übergangsteam und berät den gewählten Präsidenten in Technologiefragen. Thiel und Musk kennen sich bereits aus Paypal-Zeiten.

 
Mit Jeff Bezos wird ein weiterer Raumfahrt-Unternehmer anwesend sein. Der Amazon-Chef verfolgt mit seiner Firma Blue Origin eine ähnliche Strategie wie Musk mit SpaceX, den Zugang zum Weltraum durch wiederverwendbare Raketen erschwinglicher zu machen.

Existierende bzw. geplante Trägerraketen: Modelle von SpaceX (rote Schrift) und Blue Origin (blaue Schrift) (Bilder: Blue Origin u. SpaceX, vom Autor bearbeitet)

Als weitere Teilnehmer des Treffens werden u.a. die Chefs bzw. führende Vertreter von Google, Apple, Facebook, Microsoft, Intel und IBM erwartet. Ob neben Themen wie Digitalisierung/Automatisierung, Abbau von Innovationshindernissen/Regulierungen, Freihandelspolitik, Umweltstandards etc. auch das Raumfahrtprogramm bei dem Treffen eine größere Rolle spielen wird, und ob Musk bzw. Bezos sich dazu entsprechend äußern werden, ist offen. Aber immerhin haben die Chefs der beiden führenden privaten Raumfahrtfirmen hier die vielleicht einmalige Chance, Trumps Sicht der Dinge nachhaltig zu beeinflussen.

Update 14.12.16:

Wie Reuters berichtet, wird Elon Musk nun sogar Mitglied des Beratergremiums, das Trump in Wirtschafts- und Technologiefragen beraten soll. Musk hatte sich vor der Wahl recht kritisch über den neuen Präsidenten geäußert.
Einen viel direkteren Zugang kann es für den SpaceX-Chef also gar nicht geben. Nun liegt es an ihm, zu überzeugen, und an Trump, offen für neue Ideen zu sein.


Mittwoch, 23. November 2016

Internet-Satellitenprojekt von SpaceX gibt Lebenszeichen

SpaceX hat bei der zuständigen Regierungsstelle einen offiziellen Antrag zur Genehmigung seines gigantischen Satellitenprojekts eingereicht.

Zuletzt war es still geworden um die Pläne von SpaceX, den Globus aus dem All flächendeckend mit schnellem Internetzugang zu versorgen. Elon Musk selbst sagte kürzlich, das Vorhaben habe derzeit keine Priorität. Auch von Gwynne Shotwell (Präsidentin von SpaceX) hörte man Ähnliches.
Dennoch ist das Projekt ganz offensichtlich nicht tot: Am 15. November ging bei der FCC (Federal Communications Commision, diese Regierungsstelle kümmert sich in den USA um die Regulierung des Kommunikationsmarkts) ein Antrag von SpaceX zur Genehmigung der besagten Satellitenkonstellation ein.

Die Dimensionen des Vorhabens sprengen dabei alles bisher Dagewesene: Sage und schreibe 4425 Satelliten soll das Netzwerk am Ende umfassen. Zum Vergleich: Derzeit umkreisen insgesamt ca. 1400 aktive Satelliten die Erde.

SpaceX wird die Kommunikationssatelliten an einem eigens dafür geschaffenen Standort in Redmond selber entwickeln. Ein Hauptziel dabei wird sein, die Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten. Die Satelliten werden eine Masse von knapp 400 Kilogramm haben und damit deutlich kleiner als klassische Kommunikationssatelliten in einer geostationären Umlaufbahn sein, die mehrere Tonnen wiegen können. Die ersten 1600 Exemplare sollen die Erde in einer Höhe von 1150 Kilometern umkreisen, weitere 2825 Satelliten werden sich in Umlaufbahnen zwischen 1110 und 1325 Kilometern Höhe bewegen.

Selbst wenn man von optimistischen Annahmen ausgeht, was die zukünftigen Startkosten für Falcon 9 und Falcon Heavy angeht, kommt man zu dem Ergebnis, dass es mehrere Milliarden Dollar kosten wird, eine solche Satellitenkonstellation aufzubauen - die Kosten für die Entwicklung der Satelliten und entsprechender Empfänger für Endverbraucher noch nicht mitgerechnet. Selbst Googles Investition in Höhe von einer Milliarde Dollar im Januar 2015, die im Zusammenhang mit den Satellitenplänen steht, dürfte also bei weiten nicht ausreichen.

Zudem gibt es mit Oneweb einen Konkurrenten, dessen Pläne zwar etwas weniger grandios ausfallen (648 Satelliten laut Firmenwebseite, andere Quellen sprechen von bis zu 900 Satelliten), dafür aber anscheinend schon weiter gediehen sind. Airbus entwickelt derzeit die Satelliten für das Projekt, an dem unter anderem auch Virgin-Chef Richard Branson beteiligt ist. Ende 2017 sollen die ersten zehn Exemplare ins All gebracht werden, zwei Jahre darauf könnte die gesamte Konstellation stehen.

Infografik von Airbus zum Oneweb-Projekt

Von SpaceX gibt es keine Informationen, wann das geplante Kommunikationsnetzwerk seinen Betrieb aufnehmen könnte, doch selbst 2020 scheint unter diesen Umständen optimistisch - der Fokus liegt derzeit klar auf anderen Projekten, wie Dragon 2, Falcon Heavy und ITS.


Samstag, 19. November 2016

Update NASA/SLS

Die NASA hat nun offiziell eine Anfrage nach Alternativen und Verbesserungsmöglichkeiten an die Industrie gestellt, welche SLS mit einschließt. Diese umfasst in Auszügen:

Acquisition:
·         Competing exploration services in the mid-2020s timeframe and beyond if the market demonstrates such services are available, reliable, and consistent with NASA architectural needs

·         Public-private partnerships that reduce the costs and risks to the government, potentially including partners that may utilize ESD production facilities or workforce for other purposes
Concept of Operations:
·         Synergies between current (SLS, Orion, and/or EGS) and future systems that can reduce total exploration costs

·         Exploration approaches that evolve, augment, compliment, or enhance activities underway that can reduce total exploration costs, while meeting exploration objectives
Management:
·         NASA requirements, policies, or oversight approaches that are outdated, redundant, or otherwise increase costs and/or inhibit implementation of efficiency improvements.

Im Grunde wird hier das gesamte Projekt (SLS + Orion + zugehörige Systeme) in seiner bisherigen Form zur Disposition gestellt. Firmen wie SpaceX und Blue Origin bekommen hiermit ganz offiziell die Möglichkeit, sich einzubringen und Alternativen aufzuzeigen (etwa die Nutzung von Falcon Heavy und New Glenn). Die Deadline ist der 23. Dezember; vermutlich gerade noch rechtzeitig, bevor die Trump-Regierung erste Entscheidungen in Sachen NASA trifft.

Ungewisse Zukunft: SLS auf der Startrampe (Bild: NASA)




Donnerstag, 17. November 2016

Die NASA unter Trump: Wie geht es weiter?

Bis auf weiteres wird kein Übergangsteam der kommenden Trump-Regierung bei der NASA vor Ort sein. Derweil sorgt die Behörde schon für einen möglichen Kurswechsel vor.

Einem von SpaceRef veröffentlichten internen NASA-Schreiben zufolge hat das Trump-Lager noch keine Leute abgestellt, um das weitere Vorgehen in Sachen Raumfahrtprogramm vor Ort zu planen, Zitat: "The President-Elect Transition Team (PETT) has indicated that NASA will not be receiving an Agency Review Team (ART) at this time. NASA, as all federal agencies, stands ready to support the PETT at a future date."

Das muss nicht heißen, dass die NASA nicht trotzdem Thema im Trump-Team ist. Ob daraus folgt, dass Raumfahrt für Trump eine untergeordnete Rolle spielt, kann man, obwohl wahrscheinlich, ebenfalls nicht mit Sicherheit sagen: Selbst das Verteidigungsministerium wartet noch auf einen Anruf von Trumps Leuten.

Auch Berichte, nach denen Bob Walker das Übergangsteam für die NASA leitet, scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Der normalerweise gut informierte Keith Cowing von nasawatch.com will erfahren haben, dass Walker selbst dies verneint hat.

Lori Garver, die selbst als Kandidatin für den NASA-Chefposten unter einer Regierung Clinton galt, geht derweil davon aus, dass Mark Albrecht das Übergangsteam führt. Albrecht war Vorsitzender des National Space Council unter Bush Sen. und erlebte das Scheitern von dessen Space Exploration Initiative mit. Zusammen mit Dan Goldin (NASA-Chef von 1992 - 2001) war er verantwortlich für das "faster, better, cheaper"-Paradigma, unter dem die NASA in den 90ern Erfolge wie Pathfinder verbuchen konnte, aber auch Fehlschläge erlitt ("Mars Climate Orbiter", "Mars Polar Lander").
Sollte Albrecht tatsächlich beteiligt sein, könnte das bedeuten, dass für die NASA größere Veränderungen bevorstehen.

Bislang gibt es von Trump und seinen Leuten recht vage Aussagen, Amerikas Raumfahrtprogramm wieder "groß" machen zu wollen, etwas konkreteres Lob für die Zusammenarbeit mit privaten Firmen, und viel Kritik an Klimaforschung bei der NASA. Was das in der Praxis für die amerikanische Raumfahrtpolitik der nächsten vier Jahre bedeutet, ist offen.

Bei der NASA scheint man aber, was das bemannte Programm angeht, Alternativen zu SLS und Orion zumindest in Erwägung zu ziehen. Wie ars technica berichtet, hat man die Industrie um Input gebeten, wohl auch um den Orion-Hersteller Lockheed Martin unter Druck zu setzen. Demnach könnte Orion unter Umständen durch ein alternatives Modell von SpaceX oder Boeing ersetzt werden. Sogar SLS scheint nicht unantastbar. Allerdings hat dieses Milliarden-Projekt mit Senatoren wie Richard Shelby (Vorsitzender des Haushaltsausschusses, der u.a. die Mittel für die NASA bewilligt) und Jeff Sessions (enger Verbündeter von Donald Trump) sehr starken politischen Rückhalt, so berechtigt die Kritik daran in der Sache auch sein mag.

Zur Frage, wer neuer NASA-Chef werden könnte, kursieren derzeit die Namen James Bridenstine und Scott Pace. Bridenstine ist ein Kongressabgeordneter aus Oklahoma, gerade drei Jahre im Amt, der sich sehr für Raumfahrtthemen interessiert, aber bisher keine Erfahrung bei der Leitung größerer Regierungsbehörden hat. Pace kam unter Bush Jun. zur NASA und setzte sich immer wieder für eine Rückkehr zum Mond ein. Auch Newt Gingrich, ein früher Unterstützer Trumps, hat sich wiederholt dafür stark gemacht: Der umstrittene Politiker warb im Wahlkampf 2012 für den Aufbau einer Mondbasis. Daher scheint es möglich, dass das offizielle Hauptziel der NASA in den nächsten Jahren wieder der Mond sein wird (statt wie derzeit der Mars).

Eine interessante Querverbindung zu Elon Musk (und damit SpaceX und der Vision einer Marskolonie) könnte sich über Peter Thiel ergeben. Der Silicon Valley-Unternehmer war zusammen mit Musk Mitglied der so genannten PayPal-Mafia und hatte im Wahlkamp Partei für Trump ergriffen. Er soll Trump in Technologiefragen beraten und könnte in dieser Rolle Musk die Tür öffnen für eine groß angelegte Kooperation der NASA mit SpaceX bei der Verwirklichung von Musks Marsplan.

Letztlich muss man aber betonen, dass dies alles im Moment nur Spekulation ist. Jedes Mal, wenn ein neuer NASA-Chef gesucht wird, kursieren diverse Namen, von denen sich am Ende (logischerweise) alle bis auf einen als falsch erweisen. Und niemand kann sagen, wie der neue Präsident letztlich in der Frage "Mond oder Mars" entscheiden und wer oder was ihn dabei leiten wird. Insbesondere dann nicht, wenn dieser Präsident Donald Trump heißt.


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Clinton oder Trump: Was sind ihre Pläne für das US-Raumfahrtprogram?

Die NASA und das amerikanische Raumfahrtprogramm spielen im diesjährigen Präsidentschaftswahlkampf praktisch keine Rolle. Allerdings gibt es Hinweise, wie die Raumfahrtpolitik der USA unter einem Präsidenten Trump oder einer Präsidentin Clinton aussehen könnte.

Sucht man auf den offiziellen Webseiten der beiden Kandidaten nach einer Position zu NASA, Raumfahrt etc., so wird man enttäuscht. Weder Trump noch Clinton geben dort ein offizielles Statement zum Thema ab.
Etwas ergiebiger ist ein Neun-Punkte-Fragenkatalog von SpaceNews Magazine, den beide Kandidaten beantwortet haben. Insbesondere Trump gibt sich hier äußerst wortkarg, Clintons Antworten fallen ausführlicher aus, erschöpfen sich jedoch oft in leeren Phrasen.
Trump (oder wer auch immer die Antworten für ihn verfasst hat) beschränkt sich im wesentlichen darauf, das Raumfahrtprogramm im Grundsatz zu loben, macht aber keine konkreten Aussagen zum NASA-Budget oder zum langfristigen Ziel einer bemannten Marsmission. Dies müsse man alles nach der Wahl und in Zusammenarbeit mit dem Kongress klären.
Beide Kandidaten äußern sich lobend über die Zusammenarbeit von öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft und erwähnen die Erfolge bei der Versorgung der ISS durch private Anbieter. Clinton sagt explizit, dass dieser Ansatz fortgeführt werden sollte und erwähnt auch die Wiederverwendbarkeit von Trägersystemen zur Kostensenkung.

Weit aufschlussreicher, was die Haltung des Trump-Lagers angeht, sind zwei Meinungsartikel (vom 19. und 24. Oktober) von Robert Walker und Peter Navarro, beides Berater des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers. Walker ist ein ehemaliger Kongressabgeordneter, der in dieser Funktion auch eine führende Rolle in Raumfahrtfragen innehatte und schon seit Jahrzehnten im Beratungsgeschäft tätig ist. Navarro ist Professor für Betriebswirtschaft.
Die beiden loben in den höchsten Tönen private Firmen wie SpaceX, ULA und Blue Origin und betonen die Notwendigkeit einer noch stärkeren Zusammenarbeit von staatlicher Seite und privaten Firmen. Diese müsse die Grundlage des gesamten Raumfahrtprogramms sein.  Die NASA solle sich vor allem auf den "tiefen Weltraum" konzentrieren, bemannte Missionen zu Zielen im gesamten Sonnensystem bis Ende des Jahrhunderts seien ihre Hauptaufgabe; Erdbeobachtung und Klimaforschung wären bei anderen Behörden besser aufgebhoben.
Das ISS-Projekt soll nach den Worten von Walker und Navarro weitergeführt werden, allerdings sollen dafür neue Partner ins Boot geholt werden. Was das konkret heißen könnte, zeigt dieser Tweet des (normalerweise ausgezeichnet informierten) Raumfahrt-Journalisten Jeff Foust:

Ob Trump selbst diese Ansicht teilt, ist nicht bekannt. In jedem Fall dürfte es sehr schwierig werden, Widerstände von einflussreichen republikanischen Politikern im Kongress gegen eine solche Einbindung Chinas zu überwinden: Derzeit ist es der NASA nicht einmal erlaubt, direkt mit chinesischen Stellen zu sprechen.

In ihrem zweiten Meinungsartikel widmen sich Walker und Navarro vor allem dem militärischen Aspekt und betonen in diesem Zusammenhang erneut die zentrale Rolle des privaten Sektors. Insbesondere sollten nicht mehrere Trägersysteme parallel entwickelt werden, die im Grunde das Gleiche leisten; wo es privatwirtschaftliche Angebote gebe brauche es nicht notwendigerweise staatliche Investitionen.
Außerdem müsse der militärische Beschaffungsprozess reformiert werden; eine mögliche Anspielung auf die umstrittene Vergabepraxis der Air Force beim EELV-Programm?

Sehr interessant ist auch, was Walker und Navarro *nicht* erwähnen: Die beiden aktuellen NASA-Großprojekte SLS und Orion.

Auch die Clinton-Kampagne hat sich in den letzten Tagen ausführlicher geäußert. Clinton-Berater Jim Kohlenberger schreibt ebenfalls positiv über die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen und verspricht, wie auch das Trump-Lager, eine bessere Koordinierung aller Raumfahrtaktivitäten der Regierung. Er kritisiert die Absicht einer möglichen Regierung Trump, das Erdbeobachtungsprogramm der NASA einzuschränken bzw. anderen Behörden zu übertragen. Tatsächlich geht es in Kohlenbergers Artikel über drei Paragraphen hauptsächlich um den Klimawandel statt um das Raumfahrtprogramm. Die Aussagen zu letzterem bleiben eher vage: Clinton unterstütze das Commercial Crew Programm, die ISS und Missionen jenseits der Erdumlaufbahn. Wohin bleibt offen.
Kohlenberger erwähnt, dass die USA dabei sind, ihren Anteil am globalen Markt für Satellitenstarts wieder auszubauen; ein Hinweis auf den Erfolg von SpaceX.

Auch in dieser offiziellen Verlautbarung der Clinton-Kampagne kommen SLS und Orion nicht vor. In diesem Zusammenhang sollte folgende Personalie im Blick behalten werden: Lori Garver könnte sich wohl gute Chancen ausrechnen, die Raumfahrtbehörde für eine Clinton-Regierung zu führen. Sie war stellvertretende NASA-Chefin (2009-2013) und hat Hillary Clinton bei ihrer Präsidentschaftskandidatur 2008 beraten, sowie das Übergangsteam für Obama geleitet. Sie hat sich mehrfach höchst kritisch insbesondere über das SLS-Programm geäußert und sich damit viele Feinde gemacht (siehe zum Beispiel dieses Interview).

Natürlich werden die Beharrungskräfte, die für SLS und Orion arbeiten, enorm sein, egal ob Clinton oder Trump ins Weiße Haus einziehen. Es stehen Tausende Arbeitsplätze und lukrative Aufträge für Großkonzerne (Lockheed Martin und Boeing) auf dem Spiel.
Dennoch werden beide Projekte nach der Wahl auf eine harte Probe gestellt werden. Die verantwortlichen Manager müssen dem Übergangsteam des gewählten Präsidenten Bericht erstatten. 2008 war das der Anfang vom Ende für das Constellation-Mondprojekt. Der Umstand, dass sowohl Trump als auch Clinton bisher kein klares Bekenntnis zu SLS/Orion abgegeben haben, lässt eine Wiederholung zumindest möglich erscheinen.


Samstag, 22. Oktober 2016

Europa scheitert erneut am Mars

Der Schiaparelli-Lander der ESA ist auf der Marsoberfläche zerschellt. Es ist der zweite Fehlschlag nach der misslungenen Beagle 2-Mission im Jahr 2003.

Landungen auf dem Roten Planeten gelten als außerordentlich schwierig. Zurecht, wie sich nun erneut gezeigt hat. Es ist nun so gut wie sicher, dass das Landemanöver am 19. Oktober nicht wie geplant funktioniert hat und Schiaparelli über dem Mars abgestützt ist.
Der amerikanische Mars Reconnaissance Orbiter hat die wahrscheinliche Absturzstelle aus der Umlaufbahn fotografiert. Die Aufnahme wurde mit einer niedrig auflösenden Kamera gemacht, detailliertere Bilder sollen folgen. Es ist darauf ein dunkler Fleck zu erkennen, der als die Stelle interpretiert wird, an der Schiaparelli aufgeschlagen und explodiert ist - die Tanks waren noch voll, da sich die Triebwerke nach der geglückten Eintrittsphase wohl zu früh abgeschaltet hatten. Außerdem ist auf dem Bild der Bremsfallschirm auszumachen.

Bei dem hellen Punkt unten rechts handelt es sich wahrscheinlich um den Fallschirm (Bild: NASA)

Trotzdem wird die ESA wertvolle Daten aus diesem misslungen Versuch gewinnen: Schiaparelli hat während der letzten Phase seines Flugs 600 MByte Daten an die TGO-Sonde übermittelt, die immer noch ausgewertet werden.
Zumindest dieser Teil der Mission verläuft erfolgreich: Der Trace Gas Orbiter befindet sich in einer Marsumlaufbahn und kann seine Forschungsmission beginnen. Dabei soll vor allem nach Methan in der Atmosphäre gesucht werden, ein mögliches Zeichen für Leben auf dem Planeten.